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Sascha Woltersdorf
Immobilienfonds:
Dreiste Jagd auf Fondsanteile
Kölnische Rundschau, 22. Dezember 2008
Sie galten einst als sicheres
„Betongold".
Wer sich einen offenen Immobilienfonds in das
Depot legte, konnte auf stabile Renditen von bis
zu fünf Prozent jährlich hoffen. Diese Zeiten
scheinen vorbei zu sein.
Doch die Krise an den Finanzmärkten traf auch die Immobilienfonds, darunter
Schwergewichte wie CS Euroreal, SEB Immoinvest, Axa Immoselect oder Kanam
Grundinvest. Nach hohen Mittelabflüssen
wurden im Oktober viele dieser Ex-Stabilitätsgaranten mit Sicht auf
drei Monate geschlossen, um sie - und die Anleger - vor einem
finanziellen Ausbluten zu schützen.
Der Nachteil: Wer seine Spargroschen in solche Fonds gesteckt hat, kommt
vorerst nicht mehr an das Geld und muss zudem Wertberichtigungen fürchten:
Die Fondsimmobilien könnten mittlerweile weniger Wert sein
als angegeben, vermuten manche Branchenkenner. Die Folge wären Kursverluste
auch bei den offenen Immobilienfonds.
Nun sorgen obendrein zahlreiche Anschreiben der Depotbanken für
weitere Verunsicherung unter den Anlegern. Mit ihren Briefen transportieren
die Banken die zweifelhaften Angebote von privaten Vermögensverwaltern
und Investmentgesellschaften. Die Schnäppchen-
jäger wollen Anteile der geschlossenen Immobilienfonds übernehmen - selbstverständlich
zu einem deutlich niedrigeren Kurs. Schlicht und einfach „dreist“ nennt
die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) solche Offerten, da die
Abschläge fast immer „unverhältnismäßig hoch“ lägen.
In einem Fall werden für Fondsanteile „Abfindungen“ geboten, die fast
17 Prozent unter dem - derzeit allerdings virtuellen - Rücknahmekurs
der Fondsgesellschaft liegen.
Ein anderes Mal preisen die Aufkäufer den Tausch in Aktien einer kaum
bekannten Immobilien-AG an. Deren Portfolio bleibt nach einem Blick auf
die Unternehmensseite im Internet ziemlich übersichtlich: ein Büro- und
Wohn-Komplex sowie ein Studentenwohnheim am Fuß der Schwäbischen Alb.
Bei solchen „Depot-Spammern“, die aus der Krise Kapital schlagen wollen,
müsse man unbedingt prüfen, was einem untergeschoben werden soll, raten
Anlegerschützer. Oft seien es Wertpapiere, die lediglich auf dem „grauen
Markt“ gehandelt werden. Auf dem, so SdK-Sprecher Lothar Gries, „tummelt
sich eine große Anzahl schwarzer Schafe“, deren Unternehmen „kein reales
Geschäftsmodell haben“. Vieles, was dort offeriert wird, habe in Wirklichkeit
nur einen einzigen Zweck - nämlich die Unternehmensinhaber möglichst reich
zu machen. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin)
warnt bereits Anleger.
Die Banken, unter deren Briefköpfen die dubiosen Angebote in die Briefkästen
der Kleinanleger flattern, wollen die lästige Post allerdings
nicht unterbinden. Denn die Geldhäuser berufen sich auf die „Sonderbedingungen
für Wertpapiergeschäfte“, nach denen sie sogar verpflichtet sind, solche
Informationen an die Kunden weiterzuleiten.
Der Bundesverband Deutscher Banken glaubt, es könne höchstens „im Einzelfall
zu Verwirrungen bei Kunden kommen“.
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