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Sascha Woltersdorf
TV-Comedyshow:
Talk im "tuschfreien Raum" bei "Marc Metzger & Gesellen"
WDR Print, Ausgabe August
2010
Der Comedian und Karnevalist Marc Metzger alias
"Dä Blötschkopp" soll mit einer eigenen TV-Show dafür
sorgen, dass bei den WDR-Zuschauern "kein Auge trocken
bleibt".
Marc Metzger ist Fernsehmoderator. Und er soll bitte deutlich sprechen.
Das jedenfalls findet die Aufnahmeleiterin Antje Böhm der neuen TV-Show
"Marc Metzger & Gesellen". Seit wenigen Minuten läuft die Aufzeichnung
der Show in den Bocklemünder WDR-Studios und schon bekommt Metzger
große Papptafeln gezeigt auf denen steht "Nuschel Stopp!" oder "Reicht!".
Doch das bremst ihn nicht. Im Gegenteil, der passende Spruch kommt
sofort. "Atmen? Sprechen muss der Rheinländer, sonst stirbt er."
Solche Pointen sprudeln aus dem 37-jährigen Wahlkölner wie aus einer
heftig geschüttelten Cola-Dose. Wenn ein Gag raus muss, muss er eben
raus. Und das passiert bei Metzger oft, selbst wenn der Gesprächspartner
mitten im Satz ist. Macht nichts, Hauptsache die Pointe sitzt. Dann tobt
das Studiopublikum, und der Talkgast kann nicht böse sein. Höchstens hilflos
wie Fernsehkoch Björn Freitag ("Der Vorkoster"). Eigentlich habe man doch
über seine neue Kochsendung reden wollen, brummelt der Sparringspartner
der heutigen Aufzeichnung.
Die ersten Tests
Mit drei Shows im "Sommersonderprogramm" testet der WDR den neuen Moderater.
Das Format ist eher schlicht: In jeder Ausgabe hat Metzger
einen prominenten Gast aus NRW an seiner Seite, zum Beispiel "Tatort"-
Gerichtsmediziner Joe Bausch ("Dr. Joseph Roth") oder den Musiker
Giovanni Zarrella ("Bro'Sis"). Getalkt wird in einer Studioecke, die mit
einer dunklen Holztheke und frisch angestochenem Fässchen stark an
eine typische Kölschkneipe erinnert. Und am Ende der Show wartet eine
Überraschungsaufgabe auf Moderator und Gast, die beide gemeinsam durchstehen
müssen.
In der übrigen Zeit der 30-minütigen Show liefert der Comedian und Karnevalist
Pointen, Brüller und Schenkelklopper am laufenden Band und leistet sich
obendrein noch einen vorher aufgezeichneten Außenauftritt
als "Der Kümmererer". In einem rot-gelben Superheldenkostüm sorgt dieser
hinterhältig hilfsbereite "Kümmererer" dafür, dass die Mönchengladbacher
etwas schlanker werden oder in Dortmund mal so richtig aufgeräumt wird.
Ausgestattet mit einer eher unauffälligen Biografie geboren 1973
in Bad Neuenahr, Ausbildung zum Verlagskaufmann, dann ein Studium mit
Abschluss als Veranstaltungsmanager wurde Metzger durch zahlreiche
Karnevalsauftritte bekannt.
Seine Büttenreden als "Dä Blötschkopp" in gelb-rot kariertem Anzug und
dicker schwarzer Brille machten aus ihm einen viel gebuchten Shooting-Star
im rheinischen Sitzungskarneval, der besonders das Spiel mit dem Publikum
zelebriert. Das soll nun auch vor den TV-Kameras im "tuschfreien Raum"
wie er selber sagt funktionieren. Wenn Metzger auftritt,
hofft der WDR, "bleibt kein Auge trocken" und "kein Zuschauer im Studio
vor ihm sicher".
Berührungsängste hat der TV-Clown tatsächlich nicht, so wie er durch die
Sitzreihen im Köln-Bocklemünder Studio BS4 turnt. Mal kniet er auf den
Tischen in der ersten Reihe wie ein Rockgitarrist vor seinen Monitorboxen,
mal drückt er einer Zuschauerin sein Mikrofon in die Hand. Die Dame möge
doch bitte so nett sein und für ihn weiter moderieren. Ein bedauernswerter
Zuschauer, der ihn mit Schlagersänger Michael Wendler verwechselt hatte,
bekommt einen Kopfhörer übergestülpt und muss während der Show "deutsche
Volksmusik mit finnischen Texten" hören.
"Bratwurst an Rolex"
Nicht einmal die Mitarbeiter auf Seiten der "Metzger & Gesellen"-Produktion
sind vor dem Showtalent sicher, wie die Folge mit Björn Freitag zeigt.
Während der Fernsehkoch aus einer ziemlich dunkel gerösteten Grillwurst
mit Hilfe von allerlei Zutaten "was Edles" zaubern soll, macht es sich
Metzger ziemlich einfach. Er klaut WDR-Kameramann Ender Ermis die Uhr
vom Handgelenk und kreiert damit eine "Bratwurst an Rolex". Edel, edel.
Das Fernsehstudio tobt.
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